Arrangements für Triola

Sozusagen als Experiment präsentiere ich hier einige meiner Arrangements für die selbstspielende Zither "Triola".Mehr Informationen zur Triola finden Sie am ehesten, wenn Sie die Seiten des Mechanical Music Digest nach dem Stichwort "Triola" durchsuchen.

Die Arrangements habe ich 2002 für Hrn.Augustin, einen Triola-Besitzer und -Spieler im Erzgebirge, geschrieben und Ende 2003 verbessert (weil die erste Version nicht akzeptabel war). Hr.Augustin hat seine Triola (Nr. 8497) übrigens von seinem Vater geerbt, der sie ca. 1923 erworben hat, um in der damaligen schlechten Zeit (Inflation und Wirtschaftskrise) damit Geld zu verdienen. Hr.Augustin spielt die Triola noch ab und zu bei seinen Treffen mit pensionierten Bergleuten in seiner Heimat – die Triola wird also noch "wirklich" benutzt (nicht "nur" als Sammlerstück).
In den Jahren 2002 und 2003 haben mir unter anderem Nicholas Simons, Christian Greinacher und John Wolff dankenswerterweise einiges an wichtigen Informationen über die Triola zukommen lassen, das ich auch bei den verbesserten Arrangements angewendet habe – leider habe ich mich bei ihnen nicht mehr gemeldet, weil die Triola aus meinem Tätigkeitsfeld verschwunden ist.
Vor kurzem habe ich Hrn.Augustin besucht, weil er einige weitere Arrangements wünscht und ich dafür "direkten Kontakt zum Instrument" haben wollte. Bei diesem Besuch habe ich neun meiner Arrangements aufgenommen. Die Aufnahmen entstanden "einfach so" mit meinem Laptop, ohne die Triola einzustellen oder zu stimmen – "wie im echten Leben" (eines Triolaspielers); insbesondere das fis im Akkord Nr.4 ist offenbar ziemlich verstimmt ... Auf einigen der Aufnahmen hört man uns auch sprechen. Wie auf meiner Website üblich können Sie auf die schwarzen Noten klicken, um eine MP3-Datei des Arrangements anzuhören. Die blauen Noten dienen nur für Erklärungszwecke, dort ist keine MP3-Datei hinterlegt.

Bei den einzelnen Arrangements steht meine Selbstkritik – als ein Versuch, meine Fragen zu diesem Instrument öffentlich zu machen. Insbesondere die fehlende Dämpfung der Saiten (siehe auch die Anmerkungen unten zum Dritten Mann) machen hier Probleme. In dieser Beziehung gleicht die Triola anderen Instrumenten ohne Dämpfung, etwa den Kammspielwerken (dazu schreibt Jürgen Ehlers in "Das Mechanische Musikinstrument" Nr.90 auf S.35: "... Der wirkliche Hörgenuss entsteht erst, wenn das gespielte Musikstück bekannt ist. ... Der Hörer muss erst aus allen klingenden Tönen die Melodie heraushören."), Glockenspielen oder auch der Harfe. Entsprechend zurückhaltend muss man beim Arrangieren sein – was mir in meinem "harmonischen Überschwang" nicht immer gelingt ...

Wenn Sie zu dieser Seite Anregungen, Kritik oder andere Anmerkungen haben, würde es mich freuen, wenn Sie diese mit mir teilen könnten:

E-Mail an harald_m_mueller@gmx.de

oder durch ein Posting im Mechanical Music Digest (siehe Links).

Arrangements

Blue Spanish Eyes
B.Kaempfert

Dieses langsame Stück eignet sich relativ gut für die Triola. Das größte "Problem" der Triola – die Saiten ohne Dämpfung, d.h. mit langer Nachklingdauer – stört hier weniger. Ein kleineres Problem: Wegen der niedrigen Repetitionsrate mußte ich die zwei ersten Töne der Skalen binden. Nur in der Coda konnte ich sie trennen:
    

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Der Dritte Mann
Anton Karas

Das Zitherstück schlechthin! Im Unterschied zu meisten Drehorgelskalen kann man auf der Triola das chromatische Thema korrekt wiedergeben. Auch chromatische Harmonisierung wie die folgende ist hier möglich:
    
Etwas störend sind die "verschmierenden Schlussakkorde": Die Nachklingdauer der Melodiesaiten der Triola ist etwa 4 Sekunden (das hört man bei dem einzelnen Melodieton ganz am Anfang); die Nachklingdauer der Basssaiten ist bei 2 bis 4 Sekunden. Der schnelle Harmoniewechsel I–V–I der letzten drei Akkorde führt im Nachklang leider zu einer "Kakophonie", den man von Hand abdämpfen müßte.

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Alte Kameraden
Carl Teike

Zwei Probleme:

  • Die Bassmelodie mit kurzen Noten braucht genau eingestellte Anreißfedern – in unserer Ad-Hoc-Aufnahmesituation haben wir darauf nicht geachtet, daher fehlen manche Melodietöne fast vollständig.
  • Die folgenden schnellen Triolen (Ende des letzten Teils) gehen im "Akkordgetön" unter:
        

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Ave Maria
Ch.Gounod/J.S.Bach

Hier bin ich einige Kompromisse mit den Begleitakkorden eingegangen: Die Triola stellt nur sechs Dur-Akkorde zur Verfügung – die Bach-Begleitung würde weit komplexere Harmonien benötigen. Wo die Dur-Harmonien gar nicht mehr passten, habe ich die Bassbegleitung einfach aussetzen lassen. Es bleiben aber noch einige Stellen, die man als "gewagt" bezeichnen muss ...

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Caprifischer
G.Winkler

Dieser deutsche Schlager hat einige kompliziertere Rhythmen, die man kaum hört. Außerdem schlagen an einigen Stellen die zu vielen oder zu "fetten" Mittelstimmen die Melodie etwas tot.

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Glückauf, der Steiger kommt
trad.

In diesem deutschen Bergmannslied habe ich versucht, das Silber und Eisen in der Überstimme durch einzelne hohe Töne ("Schläge") anzudeuten – siehe den Notenausschnitt.

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Santa Lucia
trad.

Wegen der niedrigen Repetition musste ich auch hier einige Noten zusammenbinden – siehe den Notenausschnitt.

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Strangers In The Night

B.Kaempfert

Meine Kritik: Die Überstimmen und die schnellen Harmoniewechsel mit nachklingenden Saiten verwirren. Besonders die Schlussakkorde "fallen übereinander" her – obwohl ich als Arrangeur gerade solche "schrägen Akkorde" natürlich besonders liebe ...:
    

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Petersburger Schlittenfahrt
Richard Eilenberg
Diese Aufnahme umfaßt nur einige Takte vom Beginn des Arrangements, und auch diese mit Unterbrechungen und Diskussionen ...

... denn die Bassakkorde folgen viel zu schnell aufeinander. Eine manuelle Korrektur am Notenstreifen (Durchstreichen vieler Akkorde mit Kugelschreiber) war zu schwer lesbar – hier muss es einen neu bestempelten Streifen geben!

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